
Zunächst fing alles sehr harmlos an….. ich hatte meinen ersten eigenen Schallplattenspieler. Der hatte lustigerweise die gleiche orange Farbe wie unsere Kloschüssel und wie vieles anderes Interieur mitte der Siebziger.
Dann bekam ich auch meine erste Schallplatte… das war schon weniger harmlos.. aber egal…. Andrea Jürgens… und nachdem ich diese Schallplatte ca. elfenzwölfzig mal gehört hatte war mir klar : ICH WERDE MUSIKER…… danke Andrea !!!
Also fing ich an diverse Schuhkartons und Kochtöpfe meiner Mami um mich herum aufzubauen um dann mit den Kochlöffeln zu den lieblichen Klängen von Andrea Jürgens drauf einzudreschen was das Zeig hielt. Dann kam die Zeit des Aerobics und meine Eltern hatte diese Schallplatten von Sydney Rome, der damaligen Aerobic-Queen…. und ich hatte fast alle Schuhkartons zersemmelt und auch die Töpfe ruiniert als meine Eltern beschlossen mich: Der Junge lernt jetzt ein Instrument.Zum Glück war das Thema Schlagzeug bei meinen Eltern absolut tabu… glückgehabt sonst müßte ich mit jetzt die ganzen doofen Drummerwitze anhören.
Also ging ich zum Orgelunterricht…. Herr Ahnte hatte seine Orgelschule dirket neben einem Sexshop und auch sonst sah dort alles sehr nach Rock´n Roll aus.
Aber das Ergebnis war dann doch sehr ernüchternt als ich eine Operettenarie nach der anderen spielen mußte ( links, rechts und auch noch mit den Füßen !!! )
Später dann wurde ich als Keyboarder in die Schulband aufgenommen wo wir diverse Musicals aufführten und sich die Band allmählich den Status „Narrenfreiheit“ in der Schule erkämpfte.
So kam eine Band zu der anderen und ich verbrachte jeden Nachmittag in irgendwelchen dunklen Waschküchen wo wir zwischen trocknenden Socken und BH´s (größe 90E)mit allen möglichen schlecht gecoverten Songs nicht nur die Anwohner sondern auch die Bullen in den Wahnsinn trieben. Ihr kennt sicherlich die Sprüche von den Eltern:“ Junge !!! Lern bloß was Anständiges!!“.
Also beschloß ich während meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker ( was fürn Wort für nen Telefonmann!!! ein wenig Klavierunterricht zu geben .
Es dauerte ungefähr ein halbes Jahr bis ich soviele Schüler hatte, dass ich schon bei Telekoms blau machen mußte um alle unterzubringen. Und so beglückte ich meine Eltern mit der frohen Kunde :“ Ich werde Musiklehrer“… gesagt getan… Gewerbe anmelden , Räume mieten, Noten kaufen….( hihi… hab ich vom Herrn Ahnte!!! Opernarien!!!) und und und .. bla bla….
Doch das reichte nicht !! Ich wollte ja Musiker werden… also quer durch alle Bands getourt…Tanzmucke war nix…. Heavy Metal…. nööö… Hip Hop….. bääähh.. .. meine musikalische Erfüllung war nirgends zu sehen ….
Also fing ich mit einem Kollegen an gaaaaanz dick ins Musikbusiness einzusteigen und veranstalteten ein 3-tägiges Openairfestival. Vielleich klappt’s ja als Veranstalter ??
Nina Hagen, Heinz Rudolf Kunze, Manfred Mann´s Earthband, Mungo Jerry, DJ Quicksilver und und und …..riesen Line-up.
Leider warens an dem Wochenende im August in Lüdenscheid nur 10 Grad und regen so das wir als die Idioten in die Stadtgeschichte eingingen die die teuerste Party Lüdenscheid gefeiert haben…
Nach diversen Gerichtsterminen und besuchen von so ner komischen Schlägertruppe die die Gagen für die DJ´s des Technoabends eintreiben wollten war irgendwie gar nix mehr mit Rock´n Roll und wir wollten uns gerade ins Ausland absetzen als ich plötzlich ein paar groooße Buchstaben vor meinem geistigen Auge sah: SOUL!!!
Da wurde mir schlagartig wo ich meine musikalischen Wurzeln lagen.
Aber wo und mit wem ?? Gute Frage….bis ich eines Tages eine einschlägige Fachzeitschrift aufblätterte ….. Stellenabgebote!!!… da stand:“ Funk- und Soulband aus dem Sauerland sucht fähigen finanzinteressenlosen Keyboarder!“
Und ich dachte mir… na das bin doch ICH ?!…obwohl ich bei dem Wort „finanzinteressenlos“ hätte stutzig werden müssen.
Eine Woche später war ich dann im Mekka des Souls und endlich „Zuhause“.
Danke Doc Brown
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