
Es war einmal ein Gospelchor, die hatten zwei Sänger, welche schon lange Jahre unverdrossen auf alle Festen gesungen hatte. Nun aber gingen die Kräfte der Sänger zu Ende, so dass sie zur Arbeit nicht mehr taugten. Da dachte der Gospelchor daran sich aufzulösen. Das machte die beiden Sänger so traurig, das sie fortliefen und sich auf den Weg ins Sauerland machten. Dort, so meinten sie, könnten sie ja Soulmusikanten werden.
Als sie schon eine Weile gegangen waren, fanden sie einen Gitarristen am Wege liegen, der jämmerlich heulte. “Warum heulst du denn so, Pack an?” fragten die Sänger.
“Ach”, sagte der Gitarrist, “weil ich alt bin, jeden Tag schwächer werde und es auch mit den Groupies nicht mehr so klappt, wollte mich meine Band totschießen. Da hab ich Reißaus genommen. Aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?”
“Weißt du, was”, sprachen die Sänger, “wir gehen ins Sauerland und werden dort Soulmusikanten. Komm mit uns und lass dich auch bei der Musik annehmen. Wir singen, und du spielst die Gitarren.”
Der Gitarrist war einverstanden, und sie gingen mitsammen weiter. Als die drei so miteinander gingen, kamen sie an einem Hof vorbei. Da saß ein Schlagzeuger und ein Keyboarder auf dem Tor die aus Leibeskräften schrien. “Ihr schreit einem durch Mark und Bein”, sprach der Gitarrist, “was habt ihr vor?”
Wir sind Berufsmusiker und ständig pleite. “Die Kredithaie haben ihren Schlägern befohlen, uns heute Abend die Köpfe abzuschlagen. Morgen, am Sonntag, ist Zahltag, da wollen sie uns zum Frühstück essen. Nun schreien wir aus vollem Hals, solang wir noch können.”
“Ei was” sagte der Gitarrist, “zieht lieber mit uns fort, wir gehen ins Sauerland, etwas Besseres als den Tod findet ihr überall. Ihr seid gute Musiker, und wenn wir mitsammen musizieren, wird es gar herrlich klingen.” Den beiden gefiel der Vorschlag, und sie gingen alle fünf mitsammen fort.
Es dauerte nicht lange, da sahen sie einen Bassisten am Wege sitzen, der machten ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. “Was ist denn dir in die Quere gekommen, fragte der Gitarrist?.
“Wer kann da lustig sein, wenn’s einem an den Kragen geht”, antwortete der Bassist. “Weil ich nun alt bin, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und paffe, als hinter romantischen Abenden herjage, hat mich meine Frau ersäufen wollen. Ich konnte mich zwar noch davonschleichen, aber nun ist guter Rat teuer. Wo soll ich jetzt hin?”
“Geh mit uns ins Sauerland! Du verstehst dich doch auf die Soulmusik, da kannst du Soulmusikant werden.”
Der Bassist hielt das für gut und ging mit.
Sie konnten aber im Sauerland den Ruhm an einem Tag nicht erreichen und beschlossen erst einmal zu übernachten.
Kurz bevor sie einschliefen, sah sich einer der beiden Sänger noch einmal nach allen vier Windrichtungen um. Da bemerkte er einen Lichtschein. Er sagte seinen Gefährten, dass in der Nähe ein Konzert sein müsse, denn er sehe ein Licht. Der Gitarrist antwortete: “So wollen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier passiert sonst nichts mehr.” Der Bassist meinte, ein paar Gigs und etwas Bier dabei täten ihm auch gut.
Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war. Bald sahen sie es heller schimmern, und es wurde immer größer, bis sie vor eine hell erleuchtete Bühne kamen. Die Sänger, näherten sich der Bühne und schauten.
“Was seht ihr, Grauschimmel?” fragte der Schlagzeuger.
“Was wir sehen?” antworteten die Sänger. “Eine große Bühne mit Licht und PA, und eine Tanzband sitzt darauf und lässt sich’s gut gehen!”
“Das wäre etwas für uns”, sprach der Keyboarder.
Da überlegten die 6, wie sie es anfangen könnten, die Tanzband fortzujagen. Endlich fanden sie ein Mittel. Die Sänger stellten sich mit den Vorderfüßen vor die Bühne, der Bassist und der Gitarrist sprang auf der Sänger Rücken, der Schlagzeuger kletterte auf den Gitarristen, und zuletzt der Keyboarder auf den Bassisten. Als das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen an, ihre Musik zu machen.
Die Tanzband fuhr bei dem endgeilen Soul in die Höhe. Sie meinten, ein Gespenst käme auf die Bühne, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus.
Nun setzten sie die sechs Gesellen auf die Bühne, und jeder spielte nach Herzenslust. Das Konzert kam so gut an, das der Veranstalter die Band gleich wieder engagieren wollte.
Als einige Zeit vergangen war und die Tanzband von weitem sah, dass kein Licht mehr auf der Bühne brannte und alles ruhig schien, sprach der Bandleader: “Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen.” Er schickte einen seiner Leute zurück, um nachzusehen, ob noch jemand auf der Bühne wäre.
Dieser fand alles still. Er ging in den Backstagebereich und wollte ein Licht anzünden. Da sah er eine riesige Perücke. Er erschrak gewaltig und lief zur Hintertür hinaus.
Da lief der Tanzmusiker, was er konnte, zu seinem Bandleader zurück und sprach: “Ach, auf der Bühne sitzen Wahnsinnige. Da machte ich, dass ich fortkam.”
Von nun an getrauten sich die Tanzmusiker nicht mehr auf die Bühne. Den sechs Sauerländer Soulmusikanten aber gefiel’s so gut, dass sie weitermachten und seitdem auf jedem Fest der Knaller sind …